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Der Bergmannsgruß „Glück auf“

Da die ältesten Brunnen abgeteufte Schächte waren und heute gebohrte Brunnen immer noch den unverzichtbaren Bodenschatz Grundwasser fördern, sind demnach auch die Brunnenbauer Bergläute. Leider ist das nicht mehr jedem bewusst. 

Bedeutung. Obwohl die Wurzeln dieses Grußes im erzgebirgischen Erzbergbau liegen, gilt der Gruß „Glück auf“ heute ganz allgemein als Bergmannsgruß, ob im Mansfelder Kupferschieferbergbau oder bei den Kohlekumpeln an der Ruhr. Auch im Hüttenwesen und in der Metallurgie sowie bei der Erdölgewinnung ist dieser Gruß gebräuchlich geworden. Selbst im Ausland gilt „Glück auf“ (in der Übersetzung des entsprechenden Landes) heute als allgemeiner Bergmannsgruß.
Wir begegnen ihm in Gedichten und Liedern. Als Gruß wurde er im Erzgebirge, als der Silberbergbau in Blüte stand, auch von einem großen Teil der nicht im Bergbau beschäftigten Erzgebirgsbevölkerung übernommen und war daher allgemein gebräuchlich. Mit dem Rückgang der Bergbautätigkeit wurde aber leider auch dieser schöne Gruß wieder seltener, bis er durch die im Erzgebirge auflebende Bergbautätigkeit der SDAG Wismut neue Anwendung und Verbreitung erfuhr.
Was heißt nun „Glück auf“?
Eindeutig ist es nicht zu erklären. Nach mündlichen Überlieferungen sollen diese zwei Worte den Wunsch ausdrücken, der Bergmann möge nach der Schicht aus dem Dunkel des Schachtes wieder glücklich aufsteigen an das Tageslicht.
Eine andere Auslegung deutet den Gruß mit „Glück, tu' mir den Gang auf“. Wahrscheinlicher erscheint die Erklärung, wonach „Glück auf“ die Kurzform eines Grußes ist, den man dem anfahrenden Bergmann zurief und der vollständig lautet: „Bergmann, ich wünsche Dir Glück; der Gang tue sich Dir auf!“ Mit anderen Worten heißt das: Ich wünsche Dir viel Erfolg und dass Du bei Deiner Arbeit auf reiche Erze stoßen mögest.
Nach einem bergmännischen Wörterbuch von 1882 ist „Glück auf“ der zu jeder Tageszeit übliche Bergmannsgruß, nach Theodor Körner „Der Berge uralt Zauberwort“:
„Glück auf! mein Ruf hinab den Schacht,
Glück auf! mein Wunsch in Bergesnacht,
Glück auf! mein Gruß dem Sonnenlicht,
Glück auf! mein Trost, wenn's Auge bricht.“
Theodor Körner, der 1813 als Freiheitskämpfer im Lützowschen Freikorps fiel, war Student an der Bergakademie Freiberg.

Entstehung und Verbreitung. In „De re metallica“ von Georgius Agricola aus dem Jahre 1556 findet sich „Glück auf“ noch nicht. In Marienberg war der Gruß „Glück auf“ zu Trebras Zeiten (1767 bis 1779) bereits üblich. Im Bergbaugebiet um Pobershau nennt ein Plan des Jahres 1781 einen Erzgang nach diesem Gruß („Glückaufer Morgengang“), und in einem weiteren Plan des Jahres 1769 ist eine Fundgrube danach benannt („Glückauf-Fundgrube“). Zu dieser Zeche gehörte auch das Gebäude Ratsseite 83 in Pobershau als ehemalige Kupferhütte zu „Glück auf“ und „Junger Morgenstern“.
In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts galt „Glück auf“ neben „Weidmannsheil“ auch als Jägergruß, war aber auch bei Schmieden und „Fleischhackern“ gebräuchlich.
Im Jahre 1674 fand sich das Grußwort „Glück auf" im Festprogramm zum Freiberger Gregoriusfest an vier verschiedenen Stellen des Textes. Aus einer dieser Textstellen geht klar hervor, dass es sich dabei um einen Gruß des Bergmannes handelt, denn wörtlich lautet die Stelle „Ich aber (will) dir Glückauff zuschreyen“. 1676 wurde dieses Grußwort wiederum in einem Programm zum Gregoriusfest verwendet. 1678 tauchte „Glück auf“ anlässlich eines bergmännischen Aufzuges in Schneeberg auf.
„Glück auf“ als Gruß geht auch aus einer Begebenheit bei Johanngeorgenstadt hervor. Bei Johanngeorgenstadt gab es eine „Glückauf“-Fundgrube, die ihren Namen erhalten haben soll, weil 1672 „Seine kurfürstliche Durchlaucht Johann Georg II. daselbst den schürfenden Bergleuten Glückauf! geboten, auch selbst Kuxe angenommen habe“.
Ebenfalls 1672 erscheint „Glück auf“ in einem „Gutachten“ für einen Kux-Händler zur Verleihung der „Einsiedler“-Fundgrube im Freiberger Revier. Das Gutachten beginnt mit den Worten „Glück auff Glück auff, Herr Kux-Händler“ und schließt mit „so wird sich endlich bey euch und mir uff unsere hineingesteckte Zubusse gute Ausbeute erweisen, unterdessen Glück auff!“
Im Jahre 1680 erschien in Leipzig eine Dissertation des erzgebirgischen Chronisten Christian Meltzer über bergmännisches Leben und Treiben. Der Titel dieser Dissertation lautet: „Glück Auff! De Hermundurorum Metallurgia Argentaria. Vom Ertzgebürgischen Silber-Bergwerck“.
Die 1. Strophe eines Marienberger Hochzeitsgedichtes aus dem Jahre 1670 beginnt mit folgenden Worten:
„Glück auf, Glück auf ihr Hochzeitgäst,
Hört an das Singen
So werde ich bringen
zu diesem Fest . . .“.
Als wahrscheinlicher Zeitraum für die Einführung des Ausspruches „Glück auf“ in den Sprachschatz des Freiberger Bergbaues werden die Jahre zwischen 1669 und 1674 genannt. Vom Erzgebirge ausgehend breitete sich dieser Gruß schnell auch auf andere Länder und Bergbaugebiete aus. 1680 tauchte „Glück auf“ als Grubenname bereits im Harz auf, und 1681 fand „Glück auf“ auch als Gruß in Thüringen Verwendung.
Es gibt jedoch noch einen älteren Nachweis für den Ausruf „Glück auf“: Dem aus Marienberg stammenden und seit 1599 in Eibenstock amtierenden Pfar-rer Christian Mann war bereits „Glück auf“ als bergmännischer Gruß bekannt. Am Montag nach dem 3. Trinitatissonntag des Jahres 1615 hielt er anläßlich einer „Bergrechnung“ eine Bergpredigt, in der er auf eine Luther-Anekdote anspielte, die sich erstmals 1566 in den so-genannten Luther-Historien findet. Nach dieser Anekdote wurde Luther 1542 in Wittenberg von zwei Joachimsthaler (heute Jachymov, CSSR) Bergleuten besucht. Einer der beiden offenbarte ihm im Gespräch, er habe sich in seiner Zeche „verpufft“ und habe 500 Gulden Schulden. Luther sagte darauf zu ihnen:
„Wolan / Ir bergleut / wenn jhr am ermesten seydt / so bluet ewer glück / denn da haltet ir an / vund sehet selbst zu ewern Zechen / vund noth leret euch betten / zu Kirchen gehen / vund nüch-tern vund messig sein / drumb wisset ir selber nit / wie rech jr seyd / Ziehet heim vund arbeytet trewlieh / vund handelt redlich . . .“
Diese Begebenheit nahm Pfarrer Mann zum Anlaß, seine Bergpredigt mit folgenden Worten zu beginnen:
„Ihr lieben Bergkleute / ewer Glück / das jhr jmmer ausschreit / Glück auff / blühet am besten / wenn jhr am ärmsten seyd . . .“
Man darf mit Gewissheit vermuten, dass der Ausruf „Glück auf" unter den Bergleuten zu dieser Zeit bereits üblich war und daher schon vorher entstanden sein musste.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass der Ausspruch „Glück auf“ zwischen den Jahren 1556 und 1611 entstand und seine Wurzeln im erzgebirgischen Silberbergbau liegen. Von hier aus fand dieser schöne und nun über 400 Jahre alte Gruß Eingang in alle Zweige des Bergbaues und des Hüttenwesens, auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes.
(SX 0022)

Karl Kutzsche, Freiberg
(Quelle: "Stahl und Eisen" 22/88)

Das Bergmannslied "Glück auf" mit einer Auswahl der Fachschaftsstrophen

Das Bergmannslied

1. Glück auf, Glück auf!
der Steiger kommt!
|: Und er hat sein helles Licht
bei der Nacht; :|
|: schon angezündt. :|

2. Hat's angezünd't,
es wirft seinen Schein,
|: und damit so fahren wir
bei der Nacht; :|
|: ins Bergwerk ein. :|

3. Ins Bergwerk ein,
wo die Bergleut sein,
|: die da graben ja das Silber
und das Gold bei der Nacht, :|
|: aus Felsenstein. :|

4. Der eine gräbt das Silber, (Silber, …),
der andere gräbt das Gold,
|: und dem schwarzbraunen Mägdelein

 

Das Bergmannslied "Glück auf" mit einer Auswahl der Fachschaftsstophen

Hier nun endlich kommt die ultimative Sammlung von Fachschaftsstrophen vom Bergmannslied "Glück auf". Sollten wir wider Erwarten Strophen vergessen haben, sendet sie einfach an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir werden sie hier ergänzen.

Das Bergmannslied
Mit einer Auswahl der Fachschaftsstrophen

1. Glück auf, Glück auf!
der Steiger kommt!
|: Und er hat sein helles Licht
bei der Nacht; :|
|: schon angezündt. :|

2. Hat's angezünd't,
es wirft seinen Schein,
|: und damit so fahren wir
bei der Nacht; :|
|: ins Bergwerk ein. :|

3. Ins Bergwerk ein,
wo die Bergleut sein,
|: die da graben ja das Silber
und das Gold bei der Nacht, :|
|: aus Felsenstein. :|

4. Der eine gräbt das Silber, (Silber, …),
der andere gräbt das Gold,
|: und dem schwarzbraunen Mägdelein
bei der Nacht, :|
|: dem sein sie hold. :|

5. Ade, ade! (Ade, ade, …)
Herzliebste Mein!
|: Und da drunten in dem tiefen,
finster'n Schacht bei der Nacht, :|
|: da denk' ich dein. :|

6. Und kehr' ich einst,
zur Liebsten mein,
|: dann erschallet des Bergmanns Ruf
bei der Nacht, :|
|: Glück auf! Glück auf! :|

Die Strophe der Bergleute:

Wir Bergleut seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir tragen ja das Leder
vor dem Arsch bei der Nacht, :|
|: und saufen Schnaps. :|

Die Strophe der Hüttenleute:

Wir Hüttenleut seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir tragen ja das Leder
vor dem Bauch bei der Nacht, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Markscheider:

Wir Markscheider seins,
seins kreuzbrave Leut!
denn wir messen in dem tiefen, finster'n Schacht bei der Nacht, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Geologen:

Wir Geologen seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir klopfen auf die Steine
aber finden tun wir keine, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Mineralogen:

Wir Mineralogen seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir suchen nach den Erzen,
und zerbrechen Mädchenherzen, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Maschinenbauer:

Wir Maschinenbauer seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir bauen die Maschinen,
die der Bierherstellung dienen, :|
|: und saufen's aus. :|

Die Strophe der Metallurgen:

Wir Metallurgen seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir polieren unsere Schliffe,
und beätzen sie mit Schiffe, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Physiker:

Wir Physiker seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir kratzen an den Röhren,
um den Westempfang zu stören, :|
|: und saufen's auch. :|

Wir Physiker seins,
seins kreuzbrave Leut,
|: denn wir spalten die Atome
und verspritzen die Hormone :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Chemiker:

Wir Chemiker seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir machen aus der Kohle
Schnaps und andere Alkohole, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Mathematiker:

Wir Mathematiker seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir lernen integrieren,
um die Mädels zu verführen, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Jungfrauen:

Wir Jungfraun seins,
seins kreuzbrave Leut!
denn wir haben straffe Brüste
und vermehren die Gelüste, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe Hausfrauen:

Wir Hausfrauen seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir hacken Petersilie
und vermehren die Familie, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der andren Leut:

Wir anderen Leut,
seins kreuzbrave Leut;
|: Denn wir tragen zwar kein Leder
aber saufen tut ein jeder, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Mediziner:

Wir Mediziner seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir wühlen in den Därmen,
um die Hände uns zu wärmen, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Apotheker:

Wir Apotheker seins,
seins kreuzbrave Leut!
denn wir drehen unsre Pillen,
um die andren nicht zu killen, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Professoren:

Wir Professoren seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir beziehen hohe Renten
und bescheißen die Studenten, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Assistenten:

Wir Assistenten seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir beziehen kleine Löhne,
aber spucken große Töne, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Studenten:

Wir Studenten seins,
seins kreuzbrave Leut!
|: Denn wir ziehen durch die Städtchen
und verführen dort die Mädchen, :|
|: und saufen's auch. :|

Die Strophe der Knappschaftsleut

Die Knappschaftsleut,
sein’s auch brave Leut!
|:Ja sie tragen zwar kein Leder, aber saufen tut ein jeder,:|
|:Glück auf, Glück auf, Glück auf!:|